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Burnout – “Was glaubst Du, wie es mir geht?“

Univ.-Prof. Dr. Wolfgang Lalouschek | KURIER | 19.12.2009 | Karriere

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Lustlosigkeit, Müdigkeit, Depression: Wenn die Arbeit an die Seele geht, können nur Therapeuten helfen.

12-Stunden-Tage, Leistung abrufen, effizient sein. Wolfgang Lalouschek, medizinischer Leiter des Wiener Gesundheitszentrums The Tree, kennt die Depressions Spirale im Job.

KURIER: In der Wirtschaft zählen Leistung und Effizienz – Anforderungen, die man eigentlich an Maschinen stellt. Wie geht unsere Psyche damit um?

Wolfgang Lalouschek: Anfangs mit einer Art Alarmreaktion: Die Aufmerksamkeit ist intensiv fokussiert, die geistige Leistung erhöht. Auf die übermäßige Beanspruchung folgen Erschöpfung und Ermüdung. Bei einer dauernden Alarmbereitschaft werden dann auch die letzten Reserven mobilisiert. Unser Körper ist dafür aber nicht ausgelegt.

Was passiert, wenn man seine Psyche wie eine Zitrone auspresst?

Wenn die ersten Symptome auftreten, ist man schon mittendrin. Wenn man sich etwa übermäßig mit seiner beruflichen Leistung identifiziert, aber andere wichtige Lebensbereiche vernachlässigt. Das sind dann schon Alarmzeichen. In der nächsten Stufe kommt dazu, dass man Freunde vernachlässigt, das Gefühl, dauernd gehetzt zu sein, eine depressive Stimmung und dauernde Unruhe. Auf der körperlichen Ebene gibt es dazu Reaktionsmuster, die der
eigenen, persönlichen Achillesferse entsprechen, Herz und Kreislauf etwa.

Dann kommt die Depression dazu.

Geht der Erschöpfungszustand über lange Zeit und bei übermäßiger Beanspruchung, geht immer eine depressive Stimmung mit.

Bleiben Folgeschäden, wenn man nicht rechtzeitig behandelt?

Ja. Es gibt eine Palette von psychosomatischen Beschwerden bis hin zu gefährlichen Erkrankungen. Unsere Organe sind Sensoren, Antennen, die unterschiedlich reagieren, wenn etwas nicht stimmt. Etwa mit Schlafstörungen, Herz-Kreislauf-Erkrankungen oder Störungen des Immunsystems.

Gibt es einen Unterschied zwischen dem generellen Leidensdruck der Arbeit und der Belastung durch die individuelle, berufliche Situation?

Da ist es wirklich wichtig zu unterscheiden: Geht es um eine Überbelastung durch zu viele oder zu große Aufgaben oder um die grundsätzliche Art der Arbeit. In Krisensituationen sollte man nicht zu schnell sagen: Das ist nichts für mich. Oft sieht man erst nachher die positiven Qualitäten des Jobs. Und am Ende geht es ja auch um die Qualität, wie ich meine Arbeit gestalte. Je nachdem, ob wir eher von einem quantitativen oder qualitativen Problem sprechen, sind unterschiedliche Vorgehensweisen wichtig.

Wann sollte man aber die Notbremse ziehen?

Der eigenen Einschätzung sollte man immer das Fremdbild zuziehen, indem man fragt: Was glaubst du, wie es mir geht? Die Notbremse soll man bei körperlichen Krankheitssymptomen ziehen und bei einer länger dauernden depressiven Stimmungslage. Das sind Warnsymptome, dann muss man rasch handeln und Unterstützung suchen.

Wie kommt man erst gar nicht in diese Spirale?

Eine vorbeugende Maßnahme ist, immer wieder mit Nahestehenden die eigene Situation zu reflektieren.

Depression: An der Grenze

Dauerzustand

Für eine Depression gilt, dass mehrere Symptome über einen längeren Zeitraum vorhanden sein müssen.

Symptome

Sind etwa fehlendes Interesse an normalen Aktivitäten, sozialer Rückzug, Veränderung von Persönlichkeitszügen, Schlafstörungen, Rastlosigkeit oder Trägheit, fehlende Energie, Müdigkeit, geringeres Selbstbewusstsein, Schuldgefühle , Selbstmordgedanken.